Klippa gräset…oder der Abschied vom Zierrasen

Zierrasen- eine ökologische Wüste
Zierrasen ist leider immer noch das vorherrschende Gartenelement in vielen Gärten
© Pixabay

In diesem Beitrag erfährst du was an konventionellem Zierrasen problematisch ist und was du gewinnen kannst, wenn du dich von ihm verabschiedest. Damit du sofort Lust auf eine Umgestaltung deines Gartens bekommst, zeige ich dir viele konkrete Fotos eines Gartens, der diesen Schritt im vergangenen Jahr gewagt hat.

Rasenflächen – und warum sie keine Zukunft haben

Klippa gräset…das ist schwedisch und bedeutet „Das Mähen des Rasens“. Ich fange heute mal so an, weil ich im vergangenen Sommer in einem wunderschönen schwedischen Häuschen wohnen durfte und dabei fasziniert festgestellt habe, dass die Beziehung der Schweden zu ihrem Rasen eine besondere ist. Schweden mähen gerne Rasen. Punkt. Am liebsten mit Aufsitzmäher und Ohrenschutz natürlich. Graslänge auf jeden Fall kurz bis ultrakurz. Wegen der Mücken? Gute Frage! Wir waren noch vor der Mückenzeit, nämlich zu Mittsommer dort und konnten nicht überprüfen wie effektiv der ultrakurze Rasen die Mücken fernhält. Prinzipiell denke ich schon, dass vor allem das Mückenargument die Schweden zum Mähen motiviert, da ein kurzer, gepflegter Rasen Mücken weniger Unterschlupf bietet und generell die Feuchtigkeit reduziert. Mücken lieben nämlich hohes, feuchtes Gras, in dem sie sich verstecken und ihre Eier ablegen können. Ich glaube aber auch, dass sich der kurze Rasen ums Häuschen herum vielleicht zusätzlich als Bild des idealen Gartens verselbstständigt hat und jetzt einfach nicht mehr hinterfragt wird.

Der Klimawandel macht auch vor Schweden nicht halt und trockene, warme Sommer nehmen zu. So glich dann auch zu unserer Urlaubszeit der Rasen eher einem gelben Ministoppelfeld als einer grünen Matte. Gras, erst recht, wenn es extrem kurz gemäht wird, trocknet in solchen Sommern vollkommen aus. Das vergrault zwar Mücken, aber auch jedes andere Leben, sowohl ober- als auch unterirdisch im Boden. Verdorrtes Gras schützt nämlich auch den Boden nicht mehr vor Austrocknung.

Mücken hin- Mücken her und zurück zu uns nach Deutschland: Rasenflächen haben in unseren zunehmend trocken- heißen, eher mediterranen Sommern keine Zukunft. Oder hast du in den Mittelmeerländern jemals Gärten mit ausgedehnten Rasenflächen gesehen?

Rasenflächen sind weder ökologisch, noch unter ästhetischen, noch unter nutzungstechnischen Gesichtspunkten sinnvoll und Alternativen gibt es reichlich. Das Tolle daran ist: Einmal umgewandelt erfordert ein Garten ohne Zierrasen auch wesentlich weniger Pflege und du hast mehr Zeit um ihn zu genießen. Win- win auf allen Ebenen! Noch dominieren hierzulande Gärten mit traditionellen Rasenflächen, die oft nur an ihren Rändern von Hecken eingefasst werden…aber hoffentlich nicht mehr lange! Ich will dir mit diesem Beitrag aber zeigen, dass es sich gleich dreifach lohnt über Alternativen nachzudenken, weil sie deinen Garten nämlich ökologisch wertvoller (= lebendiger), pflegeleichter und klimatauglich machen. 

Gute Argumente gegen Rasenflächen:

  • Hoher Wasserverbrauch: Rasenflächen benötigen regelmäßig Wasser, um grün und gepflegt zu bleiben. Besonders in Trockenperioden führt das zu einem erheblichen Wasserverbrauch. Laut dem Umweltbundesamt kann die Bewässerung eines durchschnittlichen Rasens in Deutschland bis zu 10.000 Liter Wasser pro Monat erfordern (Quelle: Umweltbundesamt, 2020). Das belastet die Wasserressourcen, vor allem in Dürrezeiten. 
  • Geringer ökologischer Nutzen für bestäubende Insekten: Klassischer Rasen bietet kaum Nahrung oder Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge und andere bestäubende Insekten. Das Fehlen blühender Pflanzen reduziert die Biodiversität erheblich und gefährdet die Bestäuberpopulationen, die für die Bestäubung vieler Nutzpflanzen unerlässlich sind (Quelle: NABU, 2019). 
  • Geringe Kühlwirkung: Rasenflächen reflektieren Sonnenlicht und tragen kaum zur Abkühlung der Umgebung bei. Im Gegensatz dazu können vielfältig bepflanzte Flächen die Temperatur deutlich senken und das Mikroklima verbessern. Das ist besonders in Hitzeperioden ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz (Quelle: Umweltbundesamt, 2021). 
  • Pflegeaufwand: Rasen erfordert regelmäßig Mähen, Düngen und Bewässern. Das ist zeitaufwendig und oft auch umweltbelastend, vor allem durch den Einsatz von Chemikalien und Maschinen (Quelle: BUND, 2018).

Ökologisch sinnvolle Alternativen zu Rasenflächen in naturnahen Gärten: Für mehr Biodiversität und Klimaschutz

Zunächst einmal einige Gedanken vorweg…Welche Wünsche hast du eigentlich an deinen Garten?  Wenn diese Frage im Bekanntenkreis stelle, kommen am häufigsten Antworten aus zwei Kategorien:

  1. Erholungsfunktion und Rückzugsmöglichkeit (Ich möchte mich erholen, vom Alltag abschalten, Freunde treffen, Grillen, in Ruhe ein Buch lesen usw.)
  2. Spielplatzfunktion (Die Kinder sollen spielen können, Platz für Schaukel, Rutsche, Sandkasten, Trampolin usw. )

Braucht man dafür einen Rasen? Ich kann dir versichern, dass ein Garten ohne Rasen schon mal alle Aspekte aus Kategorie 1 viel besser erfüllen wird als ein klassischer Garten…warum, dazu komme ich noch. Aber wie sieht es mit Kategorie 2 aus? Wo sollen Kinder Fußball spielen, wenn die Rasenfläche in „etwas anderes“ umgewandelt wird? Tatsächlich gar nicht mehr… Aber mal ehrlich- ist das so schlimm? Sind die Bedingungen auf einem echten Fußballplatz nicht ohnehin viel besser als im eigenen Garten? Schadet es Kindern, wenn sie nicht ALLES auf dem eigenen Grundstück vorfinden? Ich glaube nicht! Ich bin im Gegenteil der festen Überzeugung, dass ein naturnah angelegter Garten, Kindern ein Vielfaches mehr an Spielanreizen liefern kann, als es ein Standardschaukelgestell mit Rutsche jemals könnte und ich weiß, dass das Möglichmachen von Naturerfahrungen für Kinder jeden Verzicht auf eine eigene Fußballwiese wert ist. Was die anderen typischen „Einrichtungsgegenstände“ von Familien mit Kindern angeht, so bekommt man die auch im naturnahen Garten problemlos unter, wenn man sie denn dann überhaupt noch haben möchte. Meiner Erfahrung nach wird die Trennung vom Rasen zu oft wegen Bedenken zu Aspekt 2 von vorne herein abgelehnt oder verschoben auf „wenn die Kinder mal aus dem Haus sind“ . Ich finde das sehr schade, weil nämlich alle Familienmitglieder so viel (auch in Sachen Wunscherfüllung) gewinnen könnten, wenn sich alle offen auf die Möglichkeiten und Chancen einer Umwandlung einlassen könnten.

Los geht’s….

So. Zeit konkret zu werden. Wenn Rasenflächen weichen, ziehen folgende, naturnahe Gestaltungselemente in deinen Garten ein:

Sie sind pflegeleicht, weil du sie nur 1-2 Mal im Jahr mähst. Sie kommen mit dem natürlichen Niederschlag aus und können durch ihre Wuchshöhe die Feuchtigkeit in Bodennähe sehr lange halten. Selbst in knochentrockenen Sommern überleben standortgerecht bepflanzte Blühflächen ohne zusätzliche Wassergabe. Blühflächen aus vorwiegend heimischen Arten brummen nur so vor Leben: Sie bieten zahlreichen Insekten, Kleintieren und Vögeln Nahrung und Lebensraum und fördern somit die lokale Biodiversität. Du kannst sie entweder durch eine Aussaat, oder mit kleinen Pflanzen aus dem Topf anlegen.

In vielen Gärten stehen nur wenige Bäume in der Wiese herum. Manchmal nur einer, manchmal gar keiner. Drum herum vielleicht eine traurige, lebensfeindliche Lorberkirschhecke. Versuche statt dessen auch bei Gehölzen flächig zu denken: Bäume können in Gruppen mit Sträuchern stehen. Klar. Natürlich auch einzeln, mit einem Sitz- oder Liegeplatz darunter, aber eben auch eingebettet in eine eigene Gehölzfläche im INNEREN des Gartens. Dort, und eben nicht nur am Rand, spenden sie wohltuenden Schatten, kühlen die Umgebung und bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten und eben auch für dich.

Verwende Bodendecker: Statt beispielsweise mit Rindenmulch den Boden zu bedecken setzt du auf flächendeckende Bepflanzung. Nicht nur explizit auf „Blühflächen“, sondern einfach überall. Unter Bäumen, zwischen Sträuchern, an Säumen…es gibt für jeden Standort die passende Pflanze. Ein durchgehender Pflanzenbewuchs kühlt den Boden, hilft, Feuchtigkeit zu speichern und reduziert die Ansiedelungsmöglichkeiten für unerwünschte Beikräuter („Unkraut“ gibt es für mich nicht).

Integriert in naturnahe Gehölzflächen können tolle, naturnahe Spielflächen mit eingeplant werden: Ein lebendiges, schön heimelig „höhliges“ Iglu aus Weidenruten, ein Parcours aus Balancierbalken, eine Sand- oder Matschspielstelle, ein Baumhaus (…)

Je mehr Elemente in deinen Garten integriert werden, desto mehr Vielfalt zieht ein: Kräuterspirale, Hochbeete, Beete, Gewächshaus, Spalier- und Säulenobst, Beerensträucher, Himbeerhecke….überlege dir im Vorfeld, was du alles realisieren möchtest.

Steinhaufen, Komposthaufen, Totholzhaufen- oder Hecke, Trockenmauer, Sandarium, Sumpfbeet, Teich (…). Je mehr solcher Elemente in deinem Garten Platz finden, desto besser für die Artenvielfalt.

Erschließen und verbinden verschiedene Bereiche des Gartens.

Laden zum Verweilen und Spielen ein. Auch Spielgeräte wie z.B. ein Trampolin können auf einem Platz ein Zuhause finden.

Umwandlung konkret: Ein Beispiel, das Lust auf Nachmachen macht

Lust auf ein Beispiel? Ich zeige dir hier jetzt einfach mal eine gelungene Umgestaltung als Fotostrecke. Den Garten habe ich für Freunde geplant, die ihre langweilige Rasenfläche aus den genannten Gründen einfach satt hatten.

  • Vorher- Zustand des Gartens: Eine große Rasenfläche und Randbepflanzung.
  • Jede Umgestaltung beginnt mit einer Skizze: Welche Räume und Elemente sollen im Garten entstehen?
  • Die Skizze wird mit detaillierten Pflanzplänen ausgefüllt.
  • Die Umwandlung beginnt mit einer Rodung der Randbepflanzung, die aus ökologisch fragwürdiger Thuja bestand.
  • Rollrasen rückwärts: Mittels Motorfräse wird der Rasen großflächig abgeschält.
  • Bahn für Bahn verschwindet der Rasen...
  • Nach Abschälen des Rasens wird die Fläche gründlich gelockert.
  • Die oberste Bodenschicht und der Rasen sind wertvoll und werden im Vorgarten zu einem Wall aufgeschichtet.
  • Mit Unkrautfolie abgedeckt verrottet die abgeschälte Grasnarbe binnen eines Jahres zu fruchtbarem Boden, bereit für eine Wallbepflanzung.
  • Frisch bepflanzte Strauchone (Pufferzone) im hinteren Gartenbereich.
  • Der spätere Hauptweg wird angelegt: Er bekommt eine Einfassung aus Kantenblech und eine Schüttung aus Schotter, auf die anschließend Felsenkies als wassergebundene Wegedecke aufgebracht wird.
  • Der Pflanzplan wird Schritt für Schritt in den einzelnen Bereichen umgesetzt. Dafür werden die im Plan gekennzeichneten Pflanzen zunächst auf der Fläche verteilt, dann eingepflanzt.
  • Vor dem Bepflanzen werden die einzelnen Zonen vom Plan in die Realität übertragen und begrenzt. Mal mit Blechen, mal mit Bruchsteinen. Jetzt kann man die einzelnen Zonen und Wege bereits gut erkennen. Im Mittelpunkt entsteht eine Magerzone mit angrenzendem Sandarium.
  • Nach und nach wird die Fläche entweder bepflanzt, oder es wird ausgesät. Aussaatfläche finden sich vor allem in der Mitte des Gartens in und um die Magerzone herum.
  • Ein Teich zieht ein. Die Wege sind inzwischen fertig angelegt. Der Hauptweg mit Felsenkies, die Trampelpfade innerhalb der Blühflächen mit Lahnkies.
  • Erster Sommer nach Umgestaltung.
  • Die niedrige Bepflanzung vor der Souterrainwohnung bildet schnell eine vollflächige Bodenbedeckung.
  • Die Aussaatflächen in der Magerzone und den Säumen entwickeln sich prächtig.
  • Der neue Garten in der Übersicht: Vielfalt statt trister Rasenfläche.
  • Lediglich im Obstgarten links ist ein letzter Rest Rasenfläche verblieben.
  • Der Eingang in den Garten: Wege laden nun zur Entdeckung ein.
  • Sitzplatz am Teich: Insgesamt sind durch die Umgestaltung mehrere neue Plätze zum Verweilen und Genießen entstanden.
  • Der geschwungene, breite Hauptweg führt mittig durch die neu entstandenen Zonen des Gartens. Rechts und links gibt es viel zu entdecken.
  • Sandarium: Eingebettet in die Saumbepflanzung.
  • Wiesenmargerite und Gelbe Resede blühen um die Wette.
  • Wiesensalbei
  • Gelbe Resede: Reseda lutea...sie wäre in einer Rasenfläche undenkbar.
  • Rosa villosa douplex in der Pufferzone. Welch ein Vergleich zur tristen Thuja vor der Umgestaltung.
  • Wildbienensteine im neuen Garten: Da es jetzt eine Fülle einheimischer Blühpflanzen gibt, wird die Besiedelung nicht lange auf sich warten lassen.

Statt einer großen Fläche mit Randbepflanzung habe ich den Garten für die Zwei in mehrere Räume / Zonen gegliedert. Von rechts nach links schlängelt sich nun ein „Hauptweg“ durch den neuen Garten, durch verschiedene Pflanzflächen hindurch. Es gibt z.B. ein tropfenförmiges Staudenbeet, das ich gezielt als Staudenfläche geplant habe. Hinter dem Hauptweg bildet eine gemischte Gehölzzone mit Bodendeckern ein wildes Refugium als Rückzugsbereich für viele Tiere. Der neu entstehende Garten ist nach dem 3- Zonen Prinzip eines Hortus geplant. Die neue Gehölzzone bildet die wichtige Pufferzone. Im vorderen Bereich ermöglicht zunächst eine flache Staudenpflanzung den Lichteinfall in die Fenster einer Souterrainwohnung. Diese geht über in eine Blühfläche auf magerem Boden, eingefasst durch Bruchsteine. Diesen Zone bildet den Kern der neuen Hot-Spot-Zone. Sie ist durch Aussaat entstanden und bietet Blütenbesuchern ein ganzjähriges Buffet. Pflege: Nur einmal im späten Frühling bodennah zurückschneiden. Zu dieser Fläche gehört auch ein Sandarium, eine Nistmöglichkeit für „selbstbuddelnde“ Wildbienen. Im linken Bereich streift der Hauptweg einen kleinen Teich, bevor er in eine kleine Restwiese mit Obststämmchen mündet. Im hinteren Eck dieser Wiese gibt es einen kleinen Wiesensitzplatz für den Kaffeeklatsch im Grünen. Weitere Verweilmöglichkeiten bieten ein kleines Terrassendeck am Teich (inklusive Abkühlung der Füße), ein Hängemattengestell sowie eine Bank. Möchte man einmal abseits des Hauptweges schlendern oder einen Rundweg gehen, kann man dies auf einem kleinen Trampelpfad zwischen Teich und Eingang tun. 

Vorher- Zustand des Gartens: Eine große Rasenfläche und Randbepflanzung.
Vorher- Zustand des Gartens: Eine große Rasenfläche und Randbepflanzung.

Hatte man vorher nicht zwingend einen Grund sich überhaupt auf der Rasenfläche zu bewegen, gibt es jetzt so viel zu entdecken, dass man jeden Tag Spaziergänge machen kann. Nicht nur die zwei Besitzerinnen lieben ihren neuen Garten, sondern er wurde auch schon von Freunden und Familie inkl. deren Kindern als „toll“ und „parkähnlich“ bezeichnet. Die Umwandlung in Eigenleistung war eine Plackerei aber die beiden sind sich einig, dass es sich absolut gelohnt hat. Das erste Jahr nach Umwandlung muss man in Sachen „Unkrautbelämpfung“ noch regelmäßig zur Stelle sein und auch noch so lange in Trockenperioden wässern bis alles eingewurzelt ist, aber dann wird dieser Garten sehr wenig Pflege benötigen.

Der neue Garten in der Übersicht: Vielfalt statt trister Rasenfläche.
Der neue Garten in der Übersicht: Vielfalt statt trister Rasenfläche. Durch die Umgestaltung wirkt der Garten sehr viel größer als vorher.

Ich zeige dir dieses Beispiel, damit du konkret sehen kannst was Umwandlung bedeutet und wie viele Möglichkeiten sie bietet. Aber auch, damit du verstehst, dass bestimmte Funktionen im Garten dadurch klarer definiert werden müssen. Konnte man vorher kreuz und quer über eine Rasenfläche laufen und nach Lust und Laune irgendwo einen Liegestuhl aufstellen, so entstehen durch die Umwandlung in verschiedene Pflanzzonen zwangsläufig auch Wege und Plätze und beides schauen wir uns jetzt noch mal zusammen etwas genauer an. 

Wege

Weil du nicht mehr einfach kreuz und quer über eine Rasenfläche laufen kannst, musst du dir im Vorfeld überlegen, wie man im Garten alles erreicht was man erreichen will oder soll. Du kannst dabei gezielt Sichtachsen festlegen, du kannst Dinge verbergen, hinter Sträuchern verstecken…das kann ein ungeliebtes Regenfass sein, oder ein Sitzplatz, an dem du es besonders kuschelig haben möchtest. Ein gerade Weg ist nicht immer unbedingt der beste. Ich persönlich liebe geschlungene Wege, die immer wieder neue Perspektiven eröffnen. Wichtig ist, Wege so zu planen, dass du damit nicht für zusätzliche Versiegelung des Bodens sorgst. Dafür gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, die schön und nachhaltig sind:

  • Wassergebundene Wegedecken: Sind Wege aus einem feinen Gemisch verschiedener Korngrößen (z.B. Felsenkies), das einen so genanten 0- Anteil hat. Dadurch verdichtet sich das Material durch Regen von alleine und wird zu einem gut begehbaren Weg, über den Wasser dennoch versickern kann.
  • Kies- oder Schotterwege: Mit Naturkies, Schotter oder kleinen Steinen kannst du schöne, gut durchlässige Wege gestalten. Sie sind einfach zu bauen und lassen Wasser ungehindert versickern. Im Gegensatz zu wassergebundenen Wegedecken bleibt das Material aber hier in Bewegung.
  • Holz- oder Baumstammwege: Holzbohlen, Holzplanken oder quergelegte Baumstämme bilden natürliche Wege. Sie passen gut in naturnahe Gärten, sind aber bei Nässe oft rutschig. 
  • Platten aus Naturstein mit Fugen: Große Natursteinplatten oder unregelmäßige Steine, die mit Zwischenräumen verlegt werden, lassen Wasser durch die Fugen versickern. Wichtig ist, dass die Platten nicht fest verbunden sind, um die Versickerung zu ermöglichen.
  • Rindenmulch- oder Hackschnitzelwege: Mit Holzschnitzeln oder Rindenmulch kannst du weiche, barfußfreundliche Wege anlegen. Sie sind leicht zu erneuern, wenn das Material verrottet ist. 
  • Vegetations- oder Wiesenwege: Wenn du Wege nur gelegentlich nutzt, kannst du auch einfach einen schmalen, mäherbreiten Weg in die Blühwiese mähen, den du durch regelmäßige Mahd kurz hältst. So mache ich dass z.B. in meiner Streuobstwiese. 
Weg aus Felsenkies
Weg aus Felsenkies. An seinen Rändern dürfen Thymian und Sedum wachsen. @ Anke Leins
Trampelpfad durchs Beet
Trampelpflad durchs Beet: Felsenkies zwischen Trittplatten und alten Backsteinen @ Anke Leins

Plätze

Überlege dir im Vorfeld, wo man bei dir im Garten zu welcher Tageszeit gut liegen oder sitzen kann und plane dann gegebenenfalls mehrere Plätze ein. Diese bilden so etwas wir Zimmer / Räume in deiner neuen Gartenoase. Dabei gibt es viele kreative und ökologische Möglichkeiten, Sitz- und Liegeflächen harmonisch in Rasenalternativen zu integrieren. Hier einige Ideen: 

  • Naturstein- oder Holzplatten:
    Du kannst stabile Sitzflächen aus Natursteinplatten oder Holzbohlen direkt in die Blühwiesen, Staudenbeete, auf Mulchflächen einbauen. Das wirkt natürlich und fügt sich gut in die Umgebung ein. 
  • Gartenbänke / Liegemöglichkeiten aus nachhaltigen Materialien:
    Auch eine schöne Holzbank oder ein Liegebett, z.B. aus FSC-zertifiziertem Holz oder Metall, lässt sich gut auf einer Mulch- oder Kiesfläche platzieren. 
  • Sitzplätze auf wassergebundenem Material:
    Eine Fläche mit wassergebundenem Material (s. oben bei Wegedecken) kann prima als Ruhezone dienen. Sie lässt sich gut in eine Wildblumenwiese oder eine Staudenfläche integrieren und schafft einen festen, sauberen Bereich zum Sitzen oder Liegen.
  • Integrierte Sitznischen in Gehölzflächen:
    Wenn du Bäume oder Sträucher pflanzt, kannst du um sie herum Sitzflächen aus Naturmaterialien anlegen, z.B. eine Bank aus Baumstämmen oder Steinen, die sich gut in die natürliche Umgebung einfügen.
  • Ersetzt man Rasen durch vielfältige Bepflanzung, entstehen Wege und Räume im Garten.
  • Staudenmischpflanzung mit Weg und Platz aus Felsenkies
  • Ein Trampelpfad lädt zur Erkundung ein, ein Sitzplatz zum Verweilen und Beobachten.
  • Ein Sitzplatz auf Felsenkies gibt die Funktion dieser Fläche vor.

Impulse zum Loslegen

Soweit mein Input als Motiviationshilfe für dich:-). Du willst loslegen? Wunderbar! Dann kommen hier schnell noch ein paar Impulse….

  1. Gute Vorbereitung ist alles! Setzt euch als Familie zusammen und macht ein Brainstorming. Wer wünscht sich was? Fertigt eine Skizze eurer Ideen und Wünsche an.
  2. Besorge dir Infos und Anleitungen. Nicht für alles muss man vorher ein Fachbuch lesen: Hier kannst du dir für wenig Geld wunderbare Anleitungen in „Minitipp“ Format bestellen, stöbern und sofort loslegen: Lebensraum Garten- Minitipps-Broschüre Teil 1, Teil 2 und teil 3 von Daniel Jakumeit, bestellbar im Naturgartenshop.
  3. Du kannst nicht alles selber? Macht nichts! Hol dir Hilfe fürs Grobe und erledige dann den Rest selber.
  4. Wohin mit der Grasnarbe? Der oberste Boden ist die fruchtbare Bodenschicht. Es ist praktisch Gold, das du da abfräst und das nicht auf die Gründeponie gehört. Plane es ein! Hügelbeete, Wälle…vieles ist damit möglich. In dem genannten Beispielgarten wurden die Grasnarbenrollen im Vorgarten zu einem Wall aufgeschichtet und zunächst ein halbes Jahr mit wasserdurchlässiger Folie bedeckt. Danach war alles ausreichend verrottet, dass es als Wall bepflanzt werden konnte. So hat jetzt der Vorgarten eine natürliche, schützende Randbepflanzung bekommen. Auf fruchtbarstem Boden.
  5. Achtung Weichenstellung: Deine Neugestaltung soll sein Mehrwert für alle sein. Pflanze und säe deshalb vorzugsweise einheimische Pflanzen. Die Minitipp-Bücher geben auch hier wertvolle Tipps!

Zu guter Letzt: Kein Garten entsteht über Nacht und deine Kräfte sind nicht unendlich! Setze dir einen realistischen Zeitplan für die Umgestaltung und vor allem: Hab Spaß:-)


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